Was ist CEB?

„Cultivating Emotional Balance“ ist ein Trainingsprogramm um ein größeres emotionales Bewusstsein und Gleichgewicht zu erreichen. Es integriert Ansätze aus der westlichen Psychologie und östlichen kontemplativen Praktiken, insbesondere der Meditation. Im Kurs wird dieses Wissen im Vortragsstil vermittelt und in praktischen Übungen erlernt. Der Kurs schafft die Grundlage um eine eigene tägliche Meditationspraxis zu entwickeln und mit ihrer transformativen Kraft ein glücklicheres und erfüllteres Leben zu führen.  Zu den wissenschaftlich nachgewiesenen Effekten gehören eine signifikante Abnahme von Depressionen, Ängsten und Feindseligkeiten und eine verbesserte Widerstandsfähigkeit gegen psychischen und emotionalen Stress. Das CEB ist in unterschiedlichen Umgebungen anwendbar, z.B. in Krankenhäusern, Schulen, Dharma-Zentren, Universitäten, Polizei, etc. Im IT-Umfeld kann es helfen, die Zusammenarbeit innerhalb von Projekten zu verbessern und die Gräben zwischen Abteilungen zu überwinden.

Die Geschichtliche Entwicklung von CEB

Meditation ist von Anfang an ein wichtiger Baustein in CEB.

CEB wurde im Jahre 2000 während der Mind & Life Conference in Dharamsala initiiert. Das Thema der Konferenz, an der Wissenschaftler, Philosophen sowie ein Mönch und der Dalai Lama teilnahmen, war Destruktive Emotionen. Paul Ekman referierte über “die Entwicklung menschlicher Emotionen”. Andere Wissenschaftler hielten Vorträge über die Psychologie destruktiver Emotionen sowie kulturelle und entwicklungsmäßige Neuroplastizität inklusive ihrer Bedeutung für eine zeitgemäße Erziehung und Ausbildung. Der Ablauf und die Ereignisse dieser Konferenz wurden in dem Buch Destructive Emotions Daniel Goleman beschrieben.

Im Verlauf der Konferenz forderte der Dalai Lama dazu auf, Maßnahmen zu ergreifen, um die Ideen zur Verbesserung des Gefühlslebens, die während der Konferenz genannt wurden, umzusetzen.

Paul Ekman und Alan Wallace nahmen diese Herausforderung an und entwickelten und organisierten die erste CEB Schulung, die 2002 angeboten wurde. Dabei unterrichtete Margaret Cullen die emotionalen Kompetenzen und Alan Wallace die kontemplativen Praktiken.

Ein auf CEB basierendes Forschungsprojekt wurde von Ekman und Kemeny (mit Unterstützung von Davidson, Greenberg und Goleman) entworfen und von Kemeny durchgeführt. Die Untersuchungen offenbarten den großen Nutzen von CEB. Teilnehmer zeigten eine signifikante Abnahme von Depressionen, Angstzuständen und Feindseligkeit. Außerdem berichteten Teilnehmer von einem signifikanten Anstieg ihrer Zuneigung gegenüber anderen und zeigten eine deutliche Verbesserung ihrer Fähigkeit subtile Arten von emotionalen Gesichtsausdrücken zu erkennen.

Während der Nachuntersuchungen, die im Anschluss an die Schulung durchgeführt wurden, zeigten Teilnehmer eine geringere emotionale und physiologische Reaktivität auf stressauslösende Aufgaben, im Vergleich zu vor der Schulung. Mit anderen Worten, das Training scheint sie vor negativen psychologischen und physiologischen Auswirkungen von Stress zu schützen.

Zwei Komponenten aus Ost und West

Das Programm ist im Wesentlichen aus zwei Komponenten zusammengesetzt. Es beinhaltet eine psychologische Komponente, die das Erkennen und Regulieren von Emotionen behandelt und eine kontemplative Komponente, die Lehren und Methoden aus östlichen Weisheitstraditionen benutzt.

Die Psychologische Komponente

Dr. Paul Ekman

Die psychologische Komponente von CEB entstammt der Arbeit von Paul Ekman, einem weltbekannter Experten auf dem Gebiet der Emotionen.

Paul Ekman’s berühmte Forschungsarbeit in Papua-Neuguinea begründete die Erkennstnis von der Universalität der Gesichtsausdrücke von Emotionen und war der Ausgangpunkt seiner anschließenden Laufbahn an der Spitze der wissenschaftlichen Erforschung des Wesens von Emotionen – ein neues und bis dahin größtenteils unbeachtetes Gebiet. Die Probleme, mit welchen die Forschung zu dieser Zeit zu kämpfen hatte waren: kurze Zeitfenster, die selbst mit den modernsten neurowissenschaftlichen Geräten nicht zu erfassen waren; viele Aspekte emotionaler Erfahrungen, die außerhalb bewusster Wahrnehmung liegen; und die Tatsache, das viele von uns schon in frühen Alter damit sozialisiert worden sind,  bestimmte Emotionen nicht zu zeigen, so dass letztlich auch wir selbst uns dem Entstehen von Emotionen und sogar ihres verhaltensmäßigen Ausdrucks nicht bewusst werden.

Der CEB Kurs umfasst wissenschaftlich basierte Informationen über die Eigenschaften von Emotionen, vor allem den “Großen Sieben” universellen Emotionen (Angst, Trauer, Ärger, Überraschung, Abscheu, Verachtung und Freude) und geeignete Übungen, die darauf ausgelegt sind, dass Teilnehmer sich verstärkt der Emotionen bewusst werden, die in ihnen selbst und bei anderen entstehen. Teilnehmer werden gebeten, ein Tagebuch zu führen und mindestens eine emotionale Erfahrung pro Tag zu protokollieren, um sie zu ermutigen ihr emotionales Bewusstsein zu vergrößern und um sog. “Heisse Auslöser” zu identifizieren.

Die Kontemplative Komponente

Die kontemplative Komponente ist vollkommen säkular und dennoch durch buddhistische Übungen inspiriert, die einen ausgeglichenen geistigen Zustand zum Ziel haben. Östliche kontemplative Traditionen haben in den vergangenen 2500 Jahren tiefe Erkenntnisse über das Wesen und den eigentlichen Grund von Unzufriedenheit und geistigem Leiden entwickelt. Dabei haben Kontemplierende eine Vielfalt von Übungen zur Überwindung dieser inneren Probleme entwickelt, die im Verlauf des Kurses erkundet werden. Ungeachtet dessen, ob man Theist, Atheist, Polytheist, Materialist oder Agnostiker ist, wird man einen Nutzen erfahren, wenn man sich auf die Inhalte und Übungen einlässt, die in CEB gelehrt werden.

Dr. Alan Wallace

Der kontemplative Teil von CEB wurde durch die Arbeiten von Alan Wallace angeregt. Er ist ein gefragter Redner und erfahrener Wissenschaftler auf dem Gebiet der Bewusstseinsforschung und einer der produktivsten Übersetzer und Autoren tibetisch-buddhistischer Schriften im Westen, der fortwährend nach innovativen Möglichkeiten sucht, die kontemplativen Praktiken des Buddhismus mit den Methoden westlicher Wissenschaft zu verbinden, um Untersuchungen über das Bewusstsein voranzubringen.

In diesem Teil des Trainings werden eine Reihe von Meditationsmethoden gelehrt, die Einsichten in die Funktionsweise des Geistes ermöglichen, die Aufmerksamkeit schulen, und Herzensqualitäten wie Wohlwollen, Mitgefühl, Mitfreude und Gleichmut entwickeln.Die Ziele von CEB: Hedonismus und Eudamonismus.

Die Ziele von CEB: Hedonismus und Eudamonismus

Die Ziele von CEB lassen sich in diesen drei einfachen Sätzen zusammenfassen:

Das Ziel von CEB. Glücklich sein.
  • Echtes Glück zu identifizieren und zu kultivieren.
  • Die Entwicklung von echtem Glück zu fördern, durch Führen eines konstruktiven emotionalen Lebens.
  • Eine Wahlmöglichkeit zu schaffen, die es uns ermöglicht zu entscheiden ob und wie wir uns auf unsere Emotionen einlassen.

Es ist zunächst  wichtig, dass wir klar definieren, was wir mit echtem Glück meinen. Psychologen haben zwei Arten von Glück (Freude) oder Wohlbefinden definiert, das wir erfahren können: hedonistisches und eudaimonistisches Glück.

Was bekomme ich von der Welt?

Hedonistisches Glück ist eine stimulus-getriebene Freude, die von dem herrührt, was wir von der Welt bekommen können. Diese Art von Glück tritt besonders dann auf, wenn unsere Grundbedürfnisse wie angemessene und ausreichende Nahrung, Kleidung, Obdach und medizinische Versorgung, erfüllt sind. Interessanterweise haben Glücksforscher herausgefunden, dass unsere Empfindung von Glück sehr wenig mit dem zu tun hat, was wir von der Welt bekommen können, wenn unsere grundlegenden Bedürfnisse bereits gedeckt sind.

Echtes Glück ist die ausgeprägte Erfahrung von Erfüllung und Zufriedenheit, die auf der Qualität unseres

Was bringe ich in die Welt ein?

Seins basiert, das wir in die Welt einbringen, im Gegensatz zu den Freunden, die von dem herrühren, was wir von der Welt bekommen. Mit anderen Worten, echtes Glück basiert darauf wie wir sind und nicht auf dem was wir bekommen. Im Gegensatz zu hedonistischem Glück ist authentisches Glück nicht stimulus-getrieben und hat deshalb nicht dieselbe Abhängigkeit vergänglichen äußerern Umständen. Außerdem nimmt es nicht ab, je mehr wir es erleben, im Unterschied zum Glück durch Sinnesfreuden.

Durch eine genaue Untersuchung der eigenen subjektiven Erfahrungen (Erste-Person-Perspektive) haben viele Leute empirisch entdeckt und repliziert, dass echtes Glück in drei bestimmten Bereichen entwickelt werden kann: durch eine ethische Lebensweise, durch die Kultivierung eines außergewöhnlichen geistigen Gleichgewichts und durch die Entwicklung von Weisheit.

Die Vier Gleichgewichte, Die transformative Kraft von CEB

Um eine gründliche Erste-Person-Untersuchung von echtem Glück zu unterstützen, führt CEB Theorien und Anwendungen zusammen, die auf den neuesten wissenschaftlichen Ergebnissen der Emotionsforschung basieren und integriert diese mit maßgeblichen Erkenntnissen und den effektivsten Übungen kontemplativer Traditionen. Genauer gesagt werden wir ein Modell von außergewöhnlicher geistiger Ausgeglichenheit und Wohlbefinden untersuchen, das auf Ausgewogenheit in den Bereichen Konation, Achtsamkeit (Aufmerksamkeit), Kognition und Emotion gründet.

Konatives Gleichgewicht: Konation (lat: conatio – das Bemühtsein, Anstrengung) ist definiert als der Geistesfaktor der Absicht, des Wunsches oder des Willens, eine Handlung durchzuführen (Willensäußerung). Ein konatives Gleichgewicht entstammt Wünschen und Absichten, die auf der Wirklichkeit beruhen und die auf das eigene Wohlergehen und auf das anderer gerichtet sind.

Achtsamkeitsgleichgewicht: Ein Gleichgewicht bezüglich der Achtsamkeit ist die Fähigkeit, einen konstanten Fluss an Aufmerksamkeit absichtlich aufrechtzuerhalten, wobei das Bewusstsein von Leichtigkeit und Entspannung, Fokussiertheit und Klarheit durchdrungen ist. Achtsamkeit ist der Schlüssel zur Entwicklung der anderen Gleichgewichte. Unser gesamtes Leben, d.h. unser Denken, Fühlen und Tun ist das Ergebnis unserer Ausrichtung und das betrifft nicht nur die Person, die wir im Augenblick sind, sondern auch diejenige, die wir in der Zukunft sein werden. Die Entscheidung, worauf wir uns in der Zukunft fokussieren, wird also einen bedeutenden Einfluss auf die Person haben, in die wir uns entwickeln.
Durch die Kraft fokussierter Achtsamkeit und ihre Anwendung auf unsere Zielsetzungen und Bestrebungen werden wir daher der Schöpfer unseres eigenen Lebens und sind nicht mehr länger hilflos den wechselnden äußeren Kräften unterworfen.

Kognitives Gleichgewicht: In einem kognitives Gleichgewicht zu sein, bedeutet sich auf die Erlebenswelt einzulassen ohne Annahmen oder Ideen auf diese Erfahrungen zu projizieren, die dazu führen würden die Wirklichkeit misszuverstehen. Um kognitive Gleichgewichte zu stärken, wendet man die zuvor entwickelte und verbesserte Achtsamkeit auf eine genaue Untersuchung des eigenen physischen und geistigen Erlebens an, sowie auf verschiedene Arten kausaler Wechselbeziehungen. Diese Art der Untersuchung wird in CEB durch die Vier Arten der Achtsamkeit durchgeführt, bei denen man den Körper, die Empfindungen, geistige Zustände und Prozesse sowie die Abhängigkeiten und Wechselwirkung dieser betrachtet.

Emotionales Gleichgewicht: Ein emotionales Gleichgewicht ist erreicht, wenn man sich der Emotionen, der emotionalen Auslöser und des emotionalen Verhaltens bei sich selbst und anderen im Augenblick ihres Entstehens gewahr wird und zu vernünftigen Entscheidungen fähig ist, während man sich gleichzeitig auf die emotionale Erfahrung einlässt.
Kontemplative Übungen verbessern die emotionale Ausgeglichenheit insbesondere auf folgende Art und Weise:

  • Funke vor der Flamme... erhöht die Klarheit und gestattet uns subtile Signale von Emotionen zu detektieren, was uns die Möglichkeit gibt, uns auf die kommende Emotion einzustellen und zu reagieren bevor wir von dieser überwältigt werden.
  • Emotionale Regulation (Steuerung)… fördert die Gegenwart von Leichtigkeit und Behaglichkeit und gestattet auf diese Weise offen intensive Wogen von Emotionen zu erleben ohne reagieren zu müssen, was eine Basis für die Beruhigung und Transformation von Emotionen bietet.
  • Meta-kognitives Bewusstsein… verfeinert unser Vermögen geistige Vorgänge zu beobachten, ohne sich in ihnen zu verfangen und Emotionen erneut auszulösen.
  • Empathie… bildet das Vermögen mit anderen zu fühlen und fördert konstruktive emotionale Reaktionen.
  • Zunahme emotionaler Bewusstheit… verbessert unser Urteilsvermögen bezüglich bestimmter Emotionen und ihrer Auswirkungen und erlaubt die Wahl kluger Entscheidungen.

Gemäß diesem Modell der vier Gleichgewichte, entsteht emotionale Ausgeglichenheit durch eine nachhaltige Schulung und einem Vertrautsein mit einem konativen, achtsamkeitsbezogenen und kognitiven Gleichgewicht.

Der zeitliche Ablauf einer Emotion

Um unsere Emotionen genauer zu untersuchen und zu beobachten, ist es hilfreich zu wissen, dass das Wort „Emotion“ ein Platzhalter für den kausalen Prozess des Erlebens ist. Sobald wir den emotionalen Prozess verstehen, können wir seiner bewusst werden und schaffen so Auswahlmöglichkeiten.

Wenn wir das Fünf-Phasen-Modell für den Ablauf einer Emotion mit den Details einer emotionalen Episode kombinieren, haben wir den Zeitverlauf einer emotionalen Episode, der ein sehr nützliches Werkzeug ist, um den Prozess der Emotion genauer zu beobachten und zu studieren.

Model eines zeitlichen Ablaufs einer Emotion.

Durch die Analyse und das Verständnis dieser verschiedenen Phasen der zeitlichen Abfolge einer emotionalen Episode, können wir beginnen uns des emotionalen Prozesses bewusst zu werden, während er stattfindet. Für die meisten von uns ist es am einfachsten, ein solches Bewusstsein zu etablieren, indem wir uns auf das emotionale Erleben und Verhalten konzentrieren und uns von dort zu den Triggern bewegen und diese betrachten. Das CEB enthält Methoden und Übungen, um verschiedene Emotionen und ihre individuellen Auswirkungen auf uns und unsere Umwelt anhand dieses Modells zu untersuchen.